Gute Gesichter

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

FILM Mike Leigh erzählt in "Vera Drake" die Geschichte einer Engelmacherin aus Güte im England der präliberalen Fünfzigerjahre. 

Die nobelste Tugend, so meinte Michel Houellebecq einmal in einem Interview, sei die Güte. Mike Leigh, der politisch einigermaßen woanders zu Hause ist als der rabiate französische Schriftsteller, würde das vermutlich ähnlich sehen. Im Grunde genommen handeln alle seine Filme von so altmodischen Tugenden wie Güte und Solidarität. Und mit einer erstaunlichen, wenn auch keineswegs naiven Konsequenz beharrt er darauf, dass eine, wenn nicht die Produktionsstätte solcher Tugenden die Familie ist. Filme wie "Life Is Sweet" (1990), "Secrets and Lies" (1996), "All or Nothing" (2002) zeigen, unter welch prekären Umständen Familie als Ort des Rückhalts überleben kann.

  Familie, das ist dort, wo es wenigstens noch eine Tasse Tee gibt. Was Aki Kaurismäki das Rauchen, das ist dem durchaus geistesverwandten Mike Leigh das Teetrinken. Auch in "Vera Drake",


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