KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

Leonardo da Vinci war ein Tausendsassa: Maler, Erfinder, Anatom et cetera. Dank Dan Browns verschwörungstheoretischem Roman "The Da Vinci Code" (dt.: "Sakrileg") haben 25 Millionen Leser von der Vielseitigkeit des Italieners erfahren. Browns Kassenschlager dürfte der Grund sein, warum jetzt im Vienna Art Center die Schau "Leonardo da Vinci. Mensch - Erfinder - Genie" zu sehen ist (bis 29.5.). In den Kellergewölben des Schottenstifts stehen grobe Holzmodelle von da Vincis Erfindungen auf hässlichen Podesten. Leonardos tolle Zeichnungen sind nur schlecht reproduziert zu sehen. Am besten fällt noch der Raum mit den Flugmaschinen aus, der vom Fallschirm bis zur Luftschraube führt. Über die historische Wirkung der Konstruktionen erfährt man nichts. Auch Brown-Fans werden enttäuscht sein: von versteckten Botschaften keine Spur.

  Um die Leidenschaft fürs Schrauben und Basteln, für Motoren und das Mobilmachen von statischem Zeug kreist die Kunst von David Moises. Dafür schlachtet der Wiener Künstler die Hobby-Hefte aus - ab den Fünfzigerjahren die Anlaufstelle für im Bastelkeller verwirklichbare Technikutopien. Moises' sympathische Ausstellung in der Charim Galerie heißt "Moonraker" (bis 7.5.). Dort geht es nicht etwa um Ken Adams unvergessliche Ausstattung des James-Bond-Klassikers, sondern um die Mondlandung, wie sie sich Hobby-Leser erträumten. Aus der alten Spielkonsole "Challenger" ertönt eine metallene Stimme, die von Weltall und Raumfahrt erzählt. Die anderen gezeigten Objekte der Schau vermitteln den Eindruck, dass Moises selbst noch immer von jungenhafter Bastelbegeisterung beseelt ist: Ein alter Heimtrainer, ein "fliegender" Teppich und ein ausrangierter Autodromwagen wurden von ihm mit Motoren ausgestattet. Die Inbetriebnahme ist aber nur dem Künstler erlaubt: Die entsprechende Performance gibt's am am 21. April ab 21 Uhr.


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