Fragen Sie Frau Andrea

Hatschen & Budern

Stadtleben | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

Liebe Frau Andrea!

1. Die Ähnlichkeit des österreichischen Verbs "hatschen" mit dem arabischen "Hadj" nach Mekka finde ich frappierend. Gibt es da einen Zusammenhang?

2. Woher stammt eigentlich das Wort "Budl" (für den Tresen)? Und das ganz ähnlich klingende Fortpflanzungsverb - was hat das dann wieder mit der "Budl" zu tun?

Liebe Grüße von Heidi, übrigens eine große Verehrerin des Films "Blue Moon"

Liebe Heidi,

das Hatschen, wie das mühevolle Wandern über lange Distanzen im Wienerischen genannt wird, hat nur scheinbar mit dem Haddsch (auch Hadsch, Hadj oder Hajj), der islamischen Pilgerfahrt nach Mekka zu tun. Unser Hatschen kommt wie das Hutschen und Hätscheln von einem Wort, das Wiegen, Schwanken, Streicheln bedeutet. Das arabische Wort "Haddsch", mit dem die alljährliche Wallfahrt der Moslems nach Mekka bezeichnet wird, kommt von einer Wurzel, die ursprünglich bedeutete "sich irgendwohin zu begeben" und ist mit der Vorstellung verbunden, dass dies oft oder immer wieder geschieht. Eine ebenso wiederkehrende, gelegentlich weniger heilige, aber durchaus rhythmische Tätigkeit ist das "Budern". Damit wird nicht nur die schönste Nebensache der Welt bezeichnet, sondern jegliches Herumgestoße. Das Wort bedeutet Schlagen, Stoßen oder Klopfen. Schnell zusammengebudert ist daher auch die Verkaufsbude, die schnell gezimmerte Wiener Budel.

dusl@falter.at


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