PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Ob er onanierte?

Stadtleben | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

... Spielt zum Ruhm seines Namens ...

Ps 66(65)1-2 (Eröffnungsvers am 3. Ostersonntag)

Er war mir sehr ähnlich, Johannes Paul II.. Manches kapierte er, manches nicht. Den Weltkommunismus kapierte er, Südamerika nicht, Polen begriff er, Nordamerika auch. Den Schwangerschaftsabbruch nicht, gänzlich verstockt und ahnungslos. Die Verbrechen in der Kirchengeschichte begriff er, die Kondome begriff er nicht. Galileo Galilei bat er um Vergebung, die Juden bat er um Vergebung für Jahrtausende Verfolgung und Mord durch die Kirche. Die Kriege begriff er, die Frauendiskriminierung begriff er nicht, die Lesben, die Schwulen begriff er nicht. Homosexuelle Priester begriff er absolut nicht. Das Skifahren begriff er. Den Sadomasochismus begriff er nicht. Er war so wie ich, manches begreif ich, manches begreife ich nicht, sehe es nicht im Geringsten.

  Er war also ein guter Papst, er hinterlässt einen stockkonservativen Globus, und alles kann wieder von vorne beginnen. Es ist also nicht so, dass die Curie und der Papst die Massen gestaltete, sondern der geistige Prozess nach dem schrecklichen Naziterror brachte auch in den Vatikan und die hellsten Köpfe und die Kardinäle einen Schimmer einer Mindesterkenntnis, dass kein Rassismus und kein Krieg entfacht gehören. Manche brauchen zu solcher Erkenntnis noch viel länger.

  Nein, es war ein schlechter Papst, nehmt alles nur in allem. Er hat das Mindesmaß an Moral getan, die nicht aus der Kirche kam, sondern aus den Massenmedien. Die Conclusio nach deinem Ableben, lieber Papst, bleibt, es gibt viel mehr Wichsys als Betys. Und wir schwingen wie ein Ton. Hin und her. Beides in demselben Moment. Natürlich will ich nicht, dass jemand leidet, stirbt und gehen muss. "Wir sind gekommen, um zu bleiben", singt eine frische Berliner Musikkapelle, dass ich quietsche. Die Kapelle besteht aus lauter Heldinnen und Helden. Natürlich, natürlich. Sogar ich. Und dann stirbt der Papst, der so munter zürnen konnte und so fröhlich sein und so gut gelaunt und uns sexuell so darben ließ.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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