Religiöse Inkontinenz

Vorwort | ISOLDE CHARIM | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

KOMMENTAR Das Sterben des Papstes hat einen Geständniszwang ausgelöst. Ist Religion eigentlich noch Privatsache? 

Seit dem Ableben des Papstes sehen wir uns mit einem erstaunlichen Phänomen konfrontiert: dem öffentlichen Gestehen von religiösen Überzeugungen. Wir finden solche Bekenntnisse nicht nur an den einschlägigen, sondern auch an unerwarteten Orten: Der linke Redakteur beichtet ebenso öffentlich seinen Glauben wie die junge polnische Literatin. Staunenden Auges lesen wir etwa in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Und auch wenn wir vor ein paar Monaten den Priester, der uns zur Seelsorge besuchte, noch zu überzeugen suchten, er solle doch alleine beten, wir täten so etwas eher nicht, knieten wir gestern Nacht beide in der nahe gelegenen Kirche, ich als Konfessionslose und mein Freund, der Buddhist - ein großes, seltsam schönes Erlebnis, als wir dort ungeschickt und unbeholfen für diese irrsinnige Welt beteten." Eine regelrechte religiöse Inkontinenz greift um sich.


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