STANDPUNKT

Scheck, lass nach

Politik | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

Im Wirbel um die Spaltung der FPÖ ging es letzte Woche unter. Die Regierung hat die Einführung des Dienstleistungsschecks beschlossen. Die Idee ist an sich bestechend: 150.000 Putzfrauen, Kindermädchen oder Gärtner arbeiten in Österreichs Haushalten, allerdings nur 10.000 von ihnen legal. Alle anderen kassieren ihre fünf bis 15 Euro die Stunde schwarz. Fällt ihnen ein Bügeleisen/Spielzeugbagger/Rechen auf den Kopf, schauen sie blöd drein, denn sie sind nicht unfallversichert. Ab Herbst soll sich das dank der Schecks, die man in der Trafik kaufen kann, ändern. Kritiker bemängeln, dass die Regelung Frauen in prekäre, miese Arbeitsverhältnisse dränge. Der Einwand geht insofern ins Leere, als illegal hackeln noch schlechter ist als unsicher malochen. Und der Verzicht auf dieses Modell keinen einzigen anständigen Arbeitsplatz schafft. Dass sich der Scheck allerdings durchsetzt, ist ebenso zu bezweifen. Die Haushaltshilfen lösen ihre Schecks beim Arbeitsamt ein, und das rechnet mit: Insgesamt gibt es keine monatliche Obergrenze, bei einem Arbeitgeber dürfen aber nicht mehr als 323,46 Euro verdient werden, sonst setzt es Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge samt Dienstgeberanteil von 14,2 Prozent. Verstanden? Wer putzen geht, tut das, weil er, meist sie, leider keine Ausbildung hat oder nicht gut Deutsch spricht. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um sich durchs bürokratische Dickicht zu schlagen. E. W.


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