Die Guten sind die Blöden

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

FILM Kompromisslos gut: Vincenzo Marras lakonische und präzise Neapel-Milieustudie "Vento di terra". 

Vincenzo ist ein guter Sohn, aber damit ist niemandem geholfen. Nicht dem Vater, der, bald nachdem er arbeitslos geworden ist, an einem Herzinfarkt stirbt. Nicht der Mutter, die allen Zusicherungen eines Magistratsbeamten zum Trotz von ihrem Vermieter ständig mit Delogierung bedroht wird. Auch nicht Giovanna, seiner kleinen Schwester, deren Onkel sie für die Vermittlung eines Fließbandjobs zu unziemlichen Gegenleistungen zwingen will. Am wenigsten aber ist Vincenzo selbst damit geholfen - die Guten sind die Blöden, sie ziehen immer den Kürzeren.

  "Vento di terra" von Vincenzo Marra erinnert an frühe Arbeiten von Mike Leigh: ein Film wie ein Holzschnitt. Schauplatz ist Neapel. Freilich nicht jenes, das Mark Twain einst sein euphorisches "Neapel sehen und sterben!" entlockte, sondern eines der menschenverachtenden Wohnsiedlungen und der hoffnungslos dahinvegetierenden italienischen


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