STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK, MICHAEL OMASTA | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

Ein bitterer Witwer, sein depressives Töchterl, ein Umzug in ein Waldhaus; dann ein mysteriöser Fantasiefreund, ominöse Sager und bleiches Starren des Kindes, wehende Fenstervorhänge, wiederkehrende Albträume, grausige Badewannenfunde ... So sehr "Hide and Seek" auch bei "Sixth Sense" und "Shining" borgt und in der Optik auf gediegen macht - um in dieser Liga mitzuspielen, ist John Polsons Grusler zu überladen und zu unambitioniert gebaut. Aber um naive Angsthasen wie mich auf falsche Fährten zu locken und zu schrecken, reicht es locker. Amüsant auch, wie bei Robert De Niro (als alleinerziehender Vater-Psychiater) die Manierismen seiner betropezten Miene noch den irren, wilden Hund früherer Rollen durchschimmern lassen. Das heute oft (und oft schlecht) praktizierte "Umstülpen" der Handlungskonstellation vom surprise ending her klappt hier klaglos; umso erstaunlicher, dass der Film nach seiner Schlusswuchtel noch 15 Minuten weiter herumpoltert. Verraten sei noch: Von den 46 weiteren Spukthrillern, die bis 2007 in die Kinos kommen, wird dieser nicht der schlechteste gewesen sein.

  Anders, ganz anders, verhält es sich mit Tomas Alonso, einem Bauern aus den Anden, der Geige spielt und nach dem Tod seiner Frau seinen Sohn alleine großziehen muss. "Una casa con vista al mar" (deutsch: "Ein Haus mit Meersicht") führt zurück in das Jahr 1948, als die Landbevölkerung in Venezuela noch wie Leibeigene für die Großgrundbesitzer schuftet und ein Streit um ein Paar Stiefel tödliche Folgen haben kann. Aus den Fieberträumen des kleinen Santiago taucht, quasi als Versprechen auf eine bessere Zukunft, das Bild eines Segelbootes auf offener See auf (ob der Bub das Meer jemals zu sehen bekommen wird, bleibt am Ende freilich ungewiss). Das mehrfach ausgezeichnete Drama von Alberto Arvelo eröffnet am Samstag die Retrospektive Filmland Venezuela im Cinemagic, bei der neben weiteren Spiel- und Dokumentarfilmen auch eine Reihe interessanter, kürzerer Arbeiten auf dem Programm stehen.


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