Der Schlüsselroman

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

THEATER Wo geht's hier zu Kafka? Barrie Kosky beendet seine "Jewtopia"-Trilogie mit der düster-verrätselten Theaterfantasie "Das Schloss". 

Der erste von vielen Versuchen, in das Schloss zu gelangen, ist gerade gescheitert. Erschöpft steht K., der Held von Franz Kafkas Romanfragment "Das Schloss", im Schnee und denkt: "Gelegenheit zu einer kleinen Verzweiflung." Der australische Regisseur Barrie Kosky verwendet diesen Satz als Untertitel seiner "Schloss"-Inszenierung; "Gelegenheit zu einer kleinen Verzweiflung", damit ist der Ton der eine gute Stunde kurzen Aufführung angeschlagen: Es ist kein leichter Abend, aber auch kein hoffnungsloser. Es gibt Schlimmeres als eine kleine Verzweiflung. (Zum Beispiel eine große.)

  "Das Schloss" (1922) ist Kafkas umfangreichstes Werk. Der unvollendete Roman erzählt die Geschichte eines Mannes, der in ein entlegenes Dorf kommt und unbedingt in das nahe Schloss kommen möchte - ohne zu wissen, was er dort überhaupt will. Wie alle Kafka-Texte ist


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