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Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

Zwei Nestroy-Premieren in einer Woche: Die Gruppe Volksblut Productions zeigt in der Alten Schieberkammer (bis 17.4.) die selten gespielte pessimistische Komödie "Höllenangst" und macht aus Johanns Nepomuk einen "Nekromuk". Ähnlich "witzig" sind dann auch die Ideen, die Regisseurin Isabella Feimer und ihren Leuten für das extrem komplizierte Stück um Standesunterschiede, Klassenkampf und Intrige eingefallen sind. Junge Menschen in Dirndl oder Krachlederner auf alten Orientteppichen in loungiger Atmosphäre sind zwar ein guter Ansatz. Dass alle ständig auf der Bühne sind und sich, wenn sie nichts zu sagen haben, selbst beschäftigen, überzeugt schon schon weniger. Immerhin werden zwei Stunden Handlung (mit der Begründung, man habe zu wenig Subvention bekommen, haha!) im slapstickigen Schnellvorlauf gezeigt. Was sonst zwischen den Caritasmöbeln abgeht, schaut so aus, als hätte sich die Meisterklasse Elfriede Ott was ganz was Wildes ausgedacht. Um das Ganze noch etwas aufzupeppen, zählt man gegen Ende noch ein paar Schlagworte aus dem Globalisierungswörterbuch auf. Zum besseren Verständnis dieses wirren Nestroy-Abends trägt das nichts bei.

  Im Volkstheater hat Michael Kreihsl Nestroys "Nur Ruhe!" inszeniert, ein böses Intrigenspiel um einen Fabrikbesitzer (Toni Böhm als Anton Schafgeist) kurz vorm Ruhestand. Wenn man weiß, dass der Regisseur vom Film kommt, erwartet man sich womöglich einen Medien-Nestroy - bis auf eine kleine Ausnahme gibt's aber anstelle von Videoprojektionen good old Volkstheater: ein bissi verstaubt, ein bissi aufklärerisch - und freche Couplets sind auch dabei. Die Gesänge von Wolfgang Hübsch, der den intriganten Hackler Rochus Dickfell so sympathisch-unsympathisch gibt wie einen Sackbauer Mundl, zählen (auch wegen der coolen Hammondorgel-Combo) zu den Highlights. Sogar auf die kritischen letzten Strophen zum aktuellen Zeitgeschehen - Stichwort BZÖ - hat man nicht vergessen. Deshalb geht der Nestroy-Preis der Woche auch ans Volkstheater.


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