AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

Ein echter Tscheche schätzt das Bier, den Schnaps, die Frauen und lässt kein Fettnäpfchen aus: Seit fast zehn Jahren hätschelt der 1956 geborene Jaromir Konecny Klischees, die ihn zum Kultstar der Slam- und Spoken-Word-Szene haben aufsteigen lassen. Fans des räudigen Wahlmünchners, der seinen Spott stets über sich selbst ausschüttet, werden deshalb geschockt sein: Denn im neuen Roman tauscht dessen Alter Ego das Junggesellendasein gegen weibliche Dauerbehütung, lässt sich widerstandslos den Alkohol verbieten und unterwirft sich deren vegetarischem Weltbild, weil er sonst mit Liebesentzug bestraft wird. "In Karin" will einen zeitgemäßen Beweis für die uralte Einsicht liefern, dass die Frau dem Mann überlegen ist. Das klingt öde, ist es aber nicht, weil die derben und schlüpfrigen Witze mitunter so verquer, irritierend und bitter daherkommen. Wessen Mitleid für das vermeintlich starke Geschlecht nicht so weit geht, zum Buch zu greifen, für die/den gibt es "In Karin" auch


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