Der Barrikadenkaiser

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

ARCHITEKTUR Nach Gottfried Semper ist in Dresden eine Oper und in Wien ein Depot benannt. An die Wiener Phase dieses Architekten des Historismus, von dem einige zentrale Ringstraßenbauten stammen, erinnerte eine kunsthistorische Tagung. 

Dieses Haus ist ein Stein gewordener Albtraum. Der Horror beginnt, wenn man auf dem stets eisig verwehten Heldenplatz den Eingang zur Nationalbibliothek sucht. Eine oval geschwungene Kolonnade mit einer vorgelagerten Terrasse türmt sich vor dem Besucher auf, ganz oben an der Spitze eines Triumphbogens spannt ein imperialer Adler seine Flügel. Da irgendwo, auf einem der nutzlosen Balkone in den erdrückenden Gesteinsmassen, muss der deutsche Diktator Adolf Hitler 1938 von den jubelnden Österreichern begrüßt worden sein. Es ist die Kulisse einer totalitären Inszenierung, funktional nur als monumentale Herrschaftsarchitektur.

  Der Bau geht auf einen Entwurf des Architekten Gottfried Semper (1803-1879) zurück, dessen berühmtestes Werk die Dresdner


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