KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

Es haben sich schon viele darüber gewundert, was mit den Telefonzellen vor dem Café Sperl los ist. Dort liegt ein Häuschen auf zwei anderen. Der Streich stammt von dem Künstler Michael Kienzer, dessen humorvolle Arbeiten im Moment noch an drei anderen Orten in Wien zu sehen sind. Die Skulpturen der Schau "Neue Immobilien" im Mak (bis 12.6.) halten mit dem Telefontrio mit. Kienzer ließ mehrere tausend Meter Aluminiumdraht in die Mak-Galerie schaffen, der nun als raumgreifend auseinander strebendes Knäuel dort liegt. Man kann zwischen den Metallfäden hindurchsteigen und das spektakuläre Ding je nach Abstand als ausufernde Plastik oder als eine Art Raumzeichnung betrachten. In der Säulenhalle des Museums reagiert der 1962 geborene Künstler auf deren architektonische Mächtigkeit: Auf Höhe der Balustrade schwebt ein großer glänzender Ballon aus schwarzem Latex, der nur durch zwei Klebebänder fixiert ist. Kienzer tritt sozusagen als Dompteur seiner Skulpturen auf: Als Bildhauer bändigt er die Dynamik, die den spannungsvollen "Immobilien" aufgrund ihres Materials inhärent ist.

  Der Weg zu Kienzers Ausstellung in der Galerie Hohenlohe & Kalb führt am "Stylit" vorbei, ein eigenartiges Objekt vor dem Mak, das dort, zwischen einen Baum und ein Verkehrsschild hingepflanzt, steht. Aus einer Art Blumentopf "wächst" über die Köpfe der Passanten ein Ziehbrunnen, wie er früher in Wien gebräuchlich war. Bei einem Abstecher in die Jesuitenkirche lässt sich der Altar aus zwölf Betonstühlen besichtigen, den der ehemalige Otto-Mauer-Preisträger für den Barockbau entworfen hat. Kienzers Galerienpersonale (bis 27.5.) wirkt hingegen etwas zusammengewürfelt. Seine Arbeiten faszinieren, wenn Beweglichkeit anklingt, diese aber gleichzeitig verhindert wird. So auch bei dem Objekt "Reck": Aufgrund seiner dünnen Gummibänder würde die Schaukel höchstens ein Äffchen, nie aber einen menschlichen Akrobaten tragen.


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