Ein schöner Lenz

Steiermark Kultur | MATHIAS GRILJ | aus FALTER 15/05 vom 13.04.2005

THEATER Das Theater im Bahnhof bringt eine packende Lesart von Büchners "Lenz". So verbeugt man sich vor einem Text, so macht man Gänsehaut. 

Was ist das für ein Zauber? Der widerspricht doch allen Analysen von Effekt und Aufmerksamkeit und Event, und er passt überhaupt nicht in das Medienzeitalter mit seiner tollen Hysterie. Da steht nämlich nur ein junger Mensch herum - er heißt Andreas Kiendl -, und er macht fast zwei Stunden lang nur Text, sonst so gut wie nichts. Er redet und geht ein bisschen herum, dann setzt er sich wieder hin, das war's schon. Und dabei jagt es einem die Gänsehaut über den Rücken. Er rührt die Herzen und quetscht die Tränensäcke. Er macht uns staunen und ehrfürchtig lauschen. Er lässt uns zerklüftete Landschaften sehen und spüren und lässt uns beklommen teilhaben an glückhaften Begebenheiten und Verzweiflung und Wahnsinn - am Leben eben. Er lehrt uns zuhören, er zwingt uns dazu. Selten ist Zwang so bereichernd und wertvoll gewesen. Er macht


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