VOM GRILL

Theater? Nein!

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 16/05 vom 20.04.2005

Derzeit nehmen die Blau-Braun-Orangen - oder wie immer ihre streng riechende Wolle gefärbt sein mag - landauf-landab kopflos ihre drolligen Zellteilungen vor. Die Leute schauen kopfschüttelnd zu und haben reichlich zu lachen. Dann diagnostiziert man das Ganze gern als "Theater". Oder als "Kasperltheater".

  Und da werde ich zornig. Immens zornig. Solche Vergleiche sind nämlich nicht statthaft.

  Das Theater, so schrill und verrückt es oft daherkommt, ist eine ernsthafte Angelegenheit. Es wurzelt in heiligen Riten, es langt in die Mythen und in die Menschheitsgeschichte, es macht einen Zirkelschlag von unseren archaischen Anfängen bis in das flippige Heute, in dem wir uns finden und zurechtfinden müssen. Theater heißt Sophokles und Shakespeare und Büchner und Tschechow und es verweist auf witzvolle Goldadern der Zivilisation, die werden wirken und strahlen und gelten, solange es Gedächtnis gibt.

  Derart Großes darf mit Kapazunderchen à la Schöggl, Lafer, Haider - oder wie die alle heißen - nur so jemand in Verbindung bringen, der sich ehestens behandeln lassen sollte. Ich wünsche einen guten therapeutischen Erfolg. Eventuell sollte in der Betreuung, vernünftig dosiert, auch etwas Kasperltheater zum Zug kommen. Das steht schließlich in einer rebellischen Tradition und verspottet unentwegt die Macht der Dummheit.


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