Fröhlichkeit im Schrecken

Kultur | STEPHAN STEINER | aus FALTER 16/05 vom 20.04.2005

LITERATUR In "Der siebente Brunnen" hat der in Wien lebende Autor Fred Wander gezeigt, wie man "gerade noch" vom Holocaust erzählen kann. Nun wird der 88-Jährige mit einem Abend im Literaturhaus gewürdigt. 

Wer wie Fred Wander mehrere Jahre in Internierungs- und Konzentrationslagern zubringen musste, der kennt das Zusammenleben auf engstem Raum. Auch heute, sechzig Jahre nach der Befreiung, lebt Wander in Gedanken noch manchmal inmitten der Elendsquartiere. Sie haben ihn geprägt, auch sprachlich. "Ich nehme dich in meine Baracke auf", sagt er mit verschmitztem Lächeln zu Menschen, die er leiden kann.

  "Organisationsmenschen" sind ihm zuwider, zu sehr hat er ein Leben lang die Konformität gescheut. In Wien aufgewachsen, kehrt er dem jüdisch-kleinbürgerlichen Milieu seiner Kindheit schon bald den Rücken und durchstreift halb Europa als Vagabund. Wann immer es ihm die Not abverlangt, verwandelt er sich für kurze Zeit in einen Gerüstebauer, Fliesenleger, Schildermaler oder Bauernknecht.


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