VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 17/05 vom 27.04.2005

In Tagen wie diesen, da der Katholizismus grassiert und wir alle päpstlicher als der Papst zu werden drohen, kann ein kleiner Rückblick nicht schaden. Zuvor hatte der Falter ein Interview mit dem Jugendbischof Egon Kapellari gebracht, und nun sah einer der Interviewpartner, Christian Ankowitsch, Revisionsbedarf, zumal der Abdruck des Interviews Falter-intern umstritten gewesen zu sein scheint. "Nach längerer Diskussion setzte sich das Argument vom ,dokumentarischen Charakter' des Interviews durch. Außerdem waren Züge eines katholisch-liberalen Denkens zu finden, das in der Öffentlichkeit zu unterstützen uns richtig erschien, wobei die Unterhaltung über Weitläufiges kein Verschweigen von Konkretem bedeutete. Doch: wehe!

  Neben der Erkenntnis, die Minderheitenpolitik Kapellaris in Kärnten falsch eingeschätzt zu haben - davon in einer der nächsten Ausgaben -, sammelte sich seitdem Enttäuschung um Enttäuschung. Letzter Dämpfer ist ein in der Kärntner Kleinen Zeitung am Ostersonntag erschienener Artikel des Jugendbischofs mit dem Titel ,Der junge Gott'. Darin ortet der Adorno zitierende, Horkheimer anführende und mit Sperber sich unterhaltende Kapellari den ,moralischen Niedergang' seiner Jugend, den er so erklärt: ,Man hat sich (in der Kindererziehung) weithin angewöhnt, das Intervall zwischen Triebreiz und Triebbefriedigung ... möglichst klein zu halten' (...)." Der Autor schließt leicht verbittert: "Ursache des Verfalls sind, wie könnte je diese Feststellung im ewig gleichen Gebrabbel katholischer Autoren fehlen, weder wirtschaftliche noch sonstige Faktoren, sondern vielmehr - erraten - die Entfernung von Gott. Denn: ,Wer sich dem jungen Jesus nähert, der naht dem ewig jungen Gott, wird selber jung und bleibt jung.'" Ja, siehe Papst, so jung wie die Kirche wird die Jugend nimmermehr! A.T.


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