SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER, WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 17/05 vom 27.04.2005

Das ist mutig und offenbar Programm: Das neue Stadttheater Walfischgasse (zuvor: Kleine Komödie) startet mit "Freunde, das Leben ist lebenswert" (bis 28.5.), einem bitteren Dokudrama über die jüdischen Wiener Künstler Fritz Löhner-Beda, Fritz Grünbaum und Hermann Leopoldi, ihre Freundschaft, die Deportation nach Buchenwald, das Leben im KZ, das Morden in Auschwitz. Löhner-Beda und Grünbaum werden umgebracht, Leopoldi schafft es, sich in die USA zu retten. Autor Charles Lewinsky, der sein Stück auch inszenierte, setzt auf eine schnelle Nummernrevue, schneidet zuckersüße Schlager gegen quälend brutale Szenen im Konzentrationslager und thematisiert dabei auch noch (jüdischen) Humor, die Schuld der IG Farben und die seltsame Rolle Franz Lehárs, dem Löhner-Beda die bekanntesten Operettentexte schrieb und der angeblich Hitlers Lieblingskomponist war. Das ist alles lobenswert, wird aber wohl dem wahren Grauen nicht gerecht. Trotzdem sind die "Freunde" ein mutiger Ansatz im neuen Privattheater.

Auch Jura Soyfer schrieb in den Dreißigerjahren für Wiener Kabarettbühnen; auch der Kommunist Soyfer wurde nach dem "Anschluss" verhaftet - und starb 1939, 26-jährig, im KZ Buchenwald an Typhus. Die Kombination aus politischer Message und scharfem Wortwitz rückt seine Stücke in die Nähe von Brecht und Nestroy, ohne allerdings deren formale und sprachliche Brillanz zu erreichen. Der naive Parabelcharakter wirkt antiquiert, die Charaktere sind sehr typenhaft gezeichnet; trotz aller Qualitäten lassen sich Soyfers Gebrauchsstücke heute wohl nicht mehr eins zu eins auf die Bühne bringen. Den Beweis dafür liefert der Spielraum, wo derzeit "Astoria" (bis 28.5.) auf dem Spielplan steht. Die bittere Politsatire um einen Fantasiestaat, der erschreckend reale Formen annimmt, wirkt in Gerhard Werdekers biederer Inszenierung so altmodisch und mühsam, dass auch die Stärken des Textes nicht so recht zur Geltung kommen. Jura Soyfer gehört auf die Bühne. Aber bitte anders.


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