KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 17/05 vom 27.04.2005

Der belgische Maler René Magritte hatte eine sehr wichtige Erkenntnis, aber er hat sie zu kurz verfolgt und sie schließlich einem kitschigen Mystizismus hintangestellt. Das ist der Eindruck, den die Ausstellung im BA-CA Kunstforum (bis 24.7.) vermittelt. Dort hängt die berühmte Pfeife, unter die Magritte einst "Ceci n'est pas une pipe" schrieb. Das Gemälde setzt ein philosophisches Problem ins Bild: die Differenz zwischen Objekt und Repräsentation. Neben dem einflussreichen Wortbild, das auch Michel Foucault interpretiert hat, werden in der Schau ähnlich "konzeptuelle" Gemälde gezeigt. "Die rasche Hoffnung", "Der geheimnisvolle Beweis" und "Der lebende Spiegel" kombinieren Formen wie Wolken oder Felsen mit Wörtern, sodass vor dem inneren Auge Geschichten auftauchen. Von Magrittes Meisterwerken ist auch "Der Schlüssel der Träume" vertreten. Außerhalb des Raums mit den Wortbildern regiert ein biederer Surrealismus, hie und da eigenwillig oder stimmungsvoll, meistens aber zu gefällig und nach Jahrzehnten der Verbreitung einfach abgeschmackt.

  Bereits 2002 hat die Österreichische Galerie Belvedere ihre Ankäufe zeitgenössischer Kunst in einer Schau präsentiert. Jetzt ist "Das Neue 2" im Atelier Augarten (bis 28.8.) zu sehen. Der Kurator Thomas Trummer hat einen sehr feinen Schnitt durch das Programm heimischer Galerien zusammengetragen. Etliche Werke stammen auch von Artists-in-Residence (z.B. von Jakob Kolding, Ann-Sofi Sidén). Der Wiener Aktionismus und seine (unfreiwilligen) Kinder bilden mit Günter Brus, Franz West, Elke Krystufek und Gelatin einen Schwerpunkt. Den heimischen Neokonzeptualismus decken Dorit Magreiter, Florian Pumhösl und Mathias Poledna ab. Es läuft der neue Film "Children's crusade" von Markus Schinwald; Paul Petritsch und Nicole Six haben Flaschenpost im Atlantik versenkt. Wer nicht gerne in Galerien geht, der bekommt hier die Chance, Versäumtes, museal geadelt, nachzuholen.


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