Fragen Sie Frau Andrea

Arausch

Stadtleben | aus FALTER 17/05 vom 27.04.2005

Liebe Frau Andrea,

das politische Farbspektrum Österreichs ist vor kurzem um die Farbe Orange erweitert worden. Wenn ich mich richtig entsinne, war das in Wien die Farbe der öffentlichen Mistkübel. Liebe Frau Andrea, bringen Sie bitte Licht ins orange Dunkel!

Gerald Novotny, Internet

Lieber Gerald,

der Name der Farbe mit der Wellenlänge von etwa 620 bis 585 Nanometern kommt über das altprovençalische "auranja" vom arabischen "närendsch", das seinerseits vom Sanskritwort "näranga" für Zitrusfrucht kommt. Orange (kelt. Arausia) war auch der Name einer burgundischen Grafschaft in der Rhôneebene, der über Kaskaden komplizierter Erbansprüche zuletzt beim niederländischen Königshaus Nassau-Oranien landete und dort nicht nur im Fußball zur "offiziellen" Nationalfarbe wurde. Orange ist aber auch eine der Farben der irischen Flagge. Es erinnnert an den radikalcalvinistischen angloschottischen König Wilhelm III. von Oranien, der von den Protestanten Nordirlands als Katholenfresser verehrt wird. Zuletzt fand der ukrainische Aknepräsident Viktor Juschtschenko in Gelb-Rot einen knalligen Ton für seine "orange Revolution". Hier und bei der Traditionsfarbe der Wiener Mistkübler dürfen wir die Kolorwurzeln für Haiders BZÖ suchen. Eventuell noch bei Stanley Kubricks "Uhrwerk Orange", das von einer utopischen Bande gestylter Strolche handelt, die sich bis zum bitteren Ende ganz dem Bösen widmen.

dusl@falter.at


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