Der goldene Schuss

JOHANNES FRANKFURTER | Steiermark Kultur | aus FALTER 17/05 vom 27.04.2005

OPER Hans Werner Henzes Jugendwerk "Boulevard Solitude" als pädagogisch wertvolle Einführung in die Moderne. 

Es beginnt pianissimo in einem schüchtern sich einführenden Ostinato des Schlagzeugs und verhaucht im dreifachen Piano der Streicher und Bläser: eine dezente, delikate Musik, die Hans Werner Henze seiner ersten, mit rund eindreiviertelstündiger Dauer halbwegs abendfüllenden Oper unterlegt hat. Obwohl die Story, die er sich dazu ausgesucht hat, so dezent nicht ist: die Geschichte der Manon Lescaut, die als willenloses Opfer ihres verbrecherischen, zuhälterischen Bruders die Männer fasziniert und verführt und ihre Liebe zum Studenten Armand verrät. Der Roman von Abbé Prévost hat schon Massenet, Aubert und Puccini zu durchaus erfolgreichen und reißerisch-opulenten Opern inspiriert.

  Der junge Henze geht 1950 eher zaghaft an diesen Stoff heran, gibt ihm den Titel "Boulevard Solitude" und stellt Armand, den jungen Studenten, in den Mittelpunkt des Geschehens. Dieser

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