VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 18/05 vom 04.05.2005

Auch vor 20 Jahren waren runde Gedenktage Gedenktage. Reinhard Engel setzte sich in einem großen Artikel unter dem Titel "Schule der Nation" mit der Entnazifizierung in Österreich auseinander und zeigte in klarer dokumentarischer Sprache, wie "zügig aus ,Irregeleiteten' vergessliche Österreicher gemacht wurden".

  Bei den erste Wahlen durften die ehemaligen Nazis nicht wählen. Dann aber beschloss die Regierung Renner "die beiden grundlegenden Gesetze zur NS-Frage: das Kriegsverbrechergesetz und das Verbot der NSDAP. Nach dem Kriegsverbrechergesetz wurden die sogenannten Volksgerichtshöfe gebildet, die bis 1955 mehr als 130.000 Fälle behandelten, in denen es zu 13.000 Schuldsprüchen kam, darunter 43 Todesurteile, von denen 30 vollstreckt wurden. (Im Vergleich dazu gab es etwa in Belgien mehr als 600.000 Untersuchungsverfahren mit 70.000 Urteilen, in den Niederlanden zwischen 150.000 und 200.000 Verfahren mit mehr als 60.000 Schuldsprüchen, und auch in Dänemark 40.000 Internierungen und 13.000 Urteile).

  Bei den Volksgerichtsverfahren machten die Richter und Schöffen ausreichend Bekanntschaft mit der NS-Tradition des Denunziantentums. So, wie man sich unter dem Naziregime persönlicher Feinde durch ,Vernadern' hatte entledigen können, versuchten es die Österreicher jetzt mit dem Nazivorwurf. Es musste ein eigener strafbarer Tatbestand der ,falschen Verdächtigung' geschaffen werden, um dem Einhalt zu gebieten." Erste Folgen des Sühnegesetzes: "100.000 Beamte verloren ihre Stelle, große Teile der Hochschullehrer wurden entlassen, Nazi durften nicht weiterstudieren ..." Schließlich erfolgte eine Amnestie der "Minderbelasteten", 90 der registrierten Nazis hatten die Säuberung hinter sich. "Nun konnte die Schlacht um die Wählerstimmen beginnen." A.T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige