"Hätten Sie sich getraut?"

Politik | NINA WEISSENSTEINER | aus FALTER 18/05 vom 04.05.2005

MAUTHAUSEN Sechzig Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers fällt es Zeugen des braunen Terrors immer noch schwer, über das Unfassbare zu sprechen. Drei Menschen erinnern sich an das Leben neben der NS-Vernichtungsstätte. 

Am 27. September 1941 suchte die Landwirtin Elenore Gusenbauer in Mauthausen den Gendarmerieposten auf, um eine Anzeige zu erstatten. "Im Konzentrationslager", diktierte die erboste Frau dem Kommandanten, "werden auf den Arbeitsstätten (...) Häftlinge erschossen, von denen die schlecht Getroffenen noch längere Zeit leben". Ihr Anwesen liege auf einer Anhöhe neben dem Lager, deswegen werde sie "oft ungewollt Zeuge von solchen Untaten", erklärte die Bäuerin und forderte den zuständigen Landesrat auf: "Ich bin (...) kränklich und solches Ansehen nimmt meine Nerven derart in Anspruch, dass ich dies auf Dauer nicht ertragen kann. Ich bitte um Veranlassung, dass solche unmenschlichen Handlungen unterbleiben bzw. dort gemacht werden, wo man es nicht sieht."


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