SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 18/05 vom 04.05.2005

Regisseur Alexander Kubelka scheint für das verschlafene Volkstheater ein idealer Kompromiss zu sein. Er überrascht (im Volkstheater sollte man vielleicht besser sagen: er "irritiert") weniger durch kühne Regiekonzepte als dadurch, ein begabter Mann der Schauspielerführung zu sein. Manchmal gelingt Kubelka etwas, was man hier schon länger nicht mehr erwartet: aus Schauspielern, die am liebsten aneinander vorbeireden, so etwas wie ein Ensemble, das motiviert zusammenspielt, zu zaubern. Auch bei Elfriede Jelineks "Prinzessinnendramen" (2002 uraufgeführt und nun erstmals in Wien zu sehen) hat es Kubelka wieder einmal geschafft, ein energetisches Ensemble (u.a. Julia Cencig, Jaschka Lämmert, Rainer Frieb, Erni Mangold, Vera Borek), das Jelineks Texte durch und durch verständlich intoniert, auf die Bühne zu stellen. Jelineks durch den feministischen Fleischwolf gedrehter Märchenzyklus, der im Untertitel "Der Tod und das Mädchen I-V" heißt, ist im Vergleich zu anderen Jelinek-Stücken allerdings auch einfacher und selbst für Jelinek-Novizen nachvollziehbar geschrieben. Er spielt ein und dieselbe verbale Ringkampfsituation gleich mehrmals durch: Eine Frau trifft auf ihren Feind - den Mann. Arena frei (es darf auch mit Heidegger zugeschlagen werden): Schneewittchen begegnet dem Tod, obwohl sie eigentlich ein Date mit den Zwergen hat; Dornröschen wird von Mr. Right wachgeküsst, der sich sofort für Gott hält, et cetera. Dazwischen geschnitten hat Kubelka den fünften Teil, "Die Wand", in dem sehr frei nach Marlene Haushofer die schreibenden Frauen Ingeborg Bachmann und Sylvia Plath aufeinander prallen - bei Kubelka: zwei Putzfrauen vor einer kahlen, multifunktionalen Wand. (Der vierte Teil, in dem es um Jackie Onassis geht, wurde gestrichen.) Wahrscheinlich nennt man so was Achtungserfolg, aber trotzdem wird man nicht glücklich mit diesem soliden Abend, der mehr Textinstallation ist als Theaterinszenierung. Jelinek als Hörspiel: eine Märchenstunde ohne bösen Regisseur.


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