"Aus allen Wunden blutend"

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 18/05 vom 04.05.2005

LITERATUR Walter Kempowski beendet das kollektive Tagebuch "Echolot" mit 500 Seiten über das Kriegsende - das man allerdings schon kennt. 

Das Bild ist eine Ikone: Am Ende des eintausendvierhundertachtzehn Tage dauernden Einsatzes pflanzt der Rotarmist Militon Kantarija am Berliner Reichstag die Fahne der Sieger auf: Unten liegt das Dritte Reich in Trümmern, der Zweite Weltkrieg ist zu Ende und die Weltgeschichte um hundert Millionen Kriegstote reicher. Die vom sowjetischen Fotografen Jewgenij Chaldej arrangierte Szene figuriert an prominenter Stelle des letzten und zehnten Bandes von Walter Kempowskis "Echolot", das den Untertitel "Abgesang '45" trägt.

  Der 1929 in Rostock geborene Kempowski, der das Kriesgende als 15-jähriger Flakhelfer erlebte, von den Sowjets 1948 als "Spion" verhaftet und zu 25 Jahren verurteilt wurde (von denen er acht Jahre im Gefängnis Bautzen absaß), begann neben seiner Tätigkeit als Volksschullehrer in den Sechzigerjahren mit freundlichen Romanen über


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