KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 18/05 vom 04.05.2005

Eine junge Frau läuft unter gleißender Sonne. Sie ist nur von hinten zu sehen. Wir lassen ihr ein bisschen Vorsprung, dann japsen wir ihr nach. Es geht eine staubige Straße entlang, vorbei an Autos und Hütten hin zu einer Hausruine, die sich von der Wüstenlandschaft eindrucksvoll abhebt. Der stockende Rhythmus des Laufs erinnert an ein 3-D-Videospiel, die Form der Jagd an einen Horrorfilm. Das kluge und anspielungsreiche Video "Paranoia (Death Valley)" von Miriam Bajtala läuft in der Ausstellung "can't see nothing" (bis 4.6.) im Kunstraum dreizehnzwei. Die Künstlerin, 1970 in Bratislava geboren, hat sich selbst vor der Kamera durch die kalifornische Einöde getrieben; ihr Loop vermittelt aber den Eindruck, als wäre der Blick des Betrachters für die Hetzerei verantwortlich. Eine ganz andere Art von Verfolgung nimmt Flora Watzal auf: In ihrem abstrakt anmutenden Video "monitor" saust ein schwarzer Punkt wie eine Flipperkugel über die Bildfläche. Bei genauerem Hinsehen werden Raumaufnahmen von Überwachungskameras deutlich, vor denen sich der Dot bewegt. Der technologisch konstituierte Blick regiert auch das Video "Koriander": Die Aussicht aus dem Fenster auf Balkonkräuter und Hausfassaden vibriert nervös als Standbild, so als hätte man gerade die Pause-Taste gedrückt.

  Wo der medienreflexive Ansatz von Bajtala und Watzal auf Irritation setzt, kommt die Ausstellung "I can see clearly now" ganz titelgemäß daher. Bei Krinzinger Projekte werden 16 Positionen aus der Akademieklasse von Eva Schlegel präsentiert. Die gezeigte Kunst, vor allem Fotografie, verhält sich unangenehm mimetisch zu den Markttrends der letzten Jahre. Von Martin Vesely etwa stammt ein riesiges Foto mit gefälligem Sujet und teurem Rahmen, das nicht nur im Format an Andreas Gursky denken lässt. Es ist verblüffend, wie routiniert in dieser Studentenschau bekannte Arbeitsmethoden heruntergespult und wie wenige Fragen dabei gestellt werden.


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