PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Versaute, peinsam enge Bluejeans

Stadtleben | aus FALTER 18/05 vom 04.05.2005

"Das Drama am Phettberg ist ja wohl, dass er an und für sich ganz gut schreiben könnte, dies aber nicht zu nutzen weiß und seit Jahr und Tag jedes x-beliebige Thema an seinen Focus presst. Inzwischen sollte es schon jeder begriffen haben, dass er ein masochistisch veranlagter, jeansboyliebender, einsamer, dicker Mann ist, der sogar in der Ablehnung durch die von ihm angebeteten Jungs einen Kick bekommt. Phettbergs beständige, literarische Nabelschau war schon vor zehn Jahren langweilig - und es wird nicht besser."

Das postete der Nickname "PNA" am 22.4.05 um 12:58 Uhr im Internet (Evangelium am 7. Ostersonntag im Lesejahr A)

Als Jesus in den Himmel aufgenommen war, kehrten die Apostel vom Ölberg nach Jerusalem zurück. Sie sind also ab nun allein. Und haben nur mehr die Bluejeans Jesu, die er täglich trug. Die bewahrten sie in einer Kiste im Abendmahlsaal auf, und wenn sie zusammenkamen berührten sie sie alle mit ihren Fingerspitzen. Und dann vergehen die Jahre, und du berührst die Jeans nicht mehr. Was du dir dachtest aufzubewahren, um es berühren zu können, hörst du die vielen Jahre auf zu berühren. Du sitzt auf der Straße und siehst sie vorübergehen, die Jeansboys, egal, ob knalleng oder lapprig hängend, das Denim bewirkt denselben Effekt, die ewig andauernde Unerreichbarkeit. Es ist immer das Déjà-vu in der Magengrube des Glücks. Das war Jesus! Und dann verliert sich das real, aber es bleibt diese überwältigende Sehnsucht nach Jeansboys in versauten Bluejeans, und du liegst aber im Grab begraben und kriegst nur Dienstagabend einen Schrei. Und natürlich schreist du dann "Jeansboys, erbarmt euch".

  Du wirst zum Narren der Stadt. Alle schweigen darüber. Aber du bist kein Autor, sondern besessen von versauten Bluejeans, die bekennen: Ich bekenne mich als sexuell. Aber wer muss das schon heute, wo jede sexuelle Freiheit denkbar geworden ist, täglich im Fernsehen. Aber eben nicht für dich. Dann kommen die strategisch begabten, die die Welt ruinieren, und alles erreichen. Aber du bist sexsüchtig, und jedes Mal, wenn es Dienstagabend wird, dein Schrei erlaubt ist in der Stadt. Hältst den Atem an, ob irgendein Jeansboy antwortet, doch es verhallt. Hoffst, dass irgendwann einer zu deinen Auftritten ins Kabarett kommt, dienstagabends, doch es kommt keiner.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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