Geschichte abschaffen?

Vorwort | ARMIN THURNHER | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

SEINESGLEICHEN GESCHIEHT Eins, zwei, 8. Mai, 15. Mai, und wir sind dabei. Haben wir zu viel Geschichte und zu wenig Zukunft? 

Als ich in die Volksschule ging, zog ich hinter dem Haus gern die von der Mutter verordneten Schuhe aus; barfuß zu gehen erschien mir, ohne von der Existenz des Wortes etwas zu ahnen, cooler. Es war auch praktischer. In unseren kleinen Lodenflecken mit Kapuzen müssen wir wie Tolkien-Figuren ausgesehen haben, wenn wir uns langsam aus den Seitengassen zu einer Art kleinen Herde zusammenfanden, Zwerge im warmen Regen, die Schuhe in der Hand. Manchmal gesellte sich die hohe, dunkle Figur des Lehrers hinzu. Gleich scharten sich die Zwerge unter seinem Schirm. Wir fragten ihn nach dem Krieg, und er erklärte uns, den hätten wir eh gewonnen, wenn die Amerikaner sich nicht eingemischt hätten. Das empfanden wir als gewisse Beruhigung, geübt wie wir waren im Räuber- und Gendarmspiel und in Bandenkleinkriegen aller Art, in aufgelassenen Stollen und Bunkern stets auf


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