Gedenkroutine

Politik | DIRK RUPNOW | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

NS-AUFARBEITUNG Auch Deutschland gedenkt: Doch laut Umfrage kann dort nur jeder Zweite unter 24 etwas mit dem Begriff "Holocaust" anfangen. 

So viel Erinnerung war nie. Auch in Deutschland wird seit Ende Januar dieses Jahres ununterbrochen gedacht - der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, der Befreiung der Konzentrationslager im Reich, der letzten großen Schlacht des Weltkriegs bei Berlin und nun schließlich des Kriegsendes am 8. Mai. Dabei halten die offiziellen Veranstaltungen und Reden wenig Überraschungen bereit. Ein wohl abgewogener Diskurs hat sich durchgesetzt, der von deutschen Verbrechen spricht, aber kaum deutsche Täter erwähnt, jeglichen Schlussstrichen eine klare Absage erteilt, das den Deutschen durch Bombenkrieg und Vertreibung zugefügte Leid vorsichtig einbezieht und insgesamt die Nachkriegsgeschichte als Erfolgsgeschichte liest: Demokratisierung, Wirtschaftswunder, Westbindung, europäische Einigung, Wiedergewinnung der nationalen Einheit - und schließlich


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