FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

Ich bin ja wirklich von Kindheit an ein Fan der "Lindenstraße", egal, wie fad oder leicht daneben die Endlosserie (ARD, So, 18.50 Uhr) manchmal sein mag. Denn Listra-Erfinder Hans W. Geißendörfer ist der König des banalen Alltags, keiner versteht es so gut, alle möglichen und unmöglichen Menschheitssorgen in eine einzige Sendung zu packen. Von A wie atomare Verseuchung bis Z wie Zervixkarzinom, alles dabei. Sogar V wie Vatermord hat es in der braven Münchner Mittelklasse-Wohnstraße schon gegeben, damals, als Momo seinen Vater aus Eifersucht mit einem Küchenmesser abfischelte. Bloß derzeit laufen die Geschichten so was von Amok, dass man auch als verständnisvoller Seher vor den Kopf gestoßen wird. So lässt Geißendörfer den HIV-positiven Knaben Felix zum Satanisten werden, seine niedliche Satansfreundin trinkt bei einem Ritual unwissend von Felix' Blut - Aidsalarm! Oder die beiden Vorzimmerdamen von Doktor Flöter, die sich bei einem Schreiduell gegenseitig mit den Urinproben der Familie Scholz beschütten! Herr Geißendörfer, das ist selbst Ihren Fans zu absurd.


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