STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

Hanns Elard Ludin (1905 geboren, 1947 in Bratislava hingerichtet) war Überzeugungstäter, ein Nationalsozialist der ersten Stunde, mit 28 Jahren bereits SA-Führer, ab 1941 deutscher Gesandter in der Slowakei und in dieser Funktion maßgeblich an der Deportation und folglich auch Vernichtung der slowakischen Juden beteiligt. Aber darum geht es in "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß", dem Film seines jüngsten Sohnes, eher nur am Rande. Malte Ludin, Jahrgang 1942, hat statt eines Films über damals einen Film über heute gemacht: über seine Familie und darüber, wie Geschichte in dieser Familie beschwiegen, verdreht, geleugnet wurde und wird. Von der Vaterliebe zur Ideologie der Täter, das zeigen die mühsamen Gespräche des Filmemachers mit seinen Geschwistern deutlich, ist es oft nur ein kleiner Schritt. Da werden deportierte Juden pauschal zu Partisanen erklärt und Dokumente mit Gegenfragen beiseite gewischt: "Wer hätte ihm sagen können, was mit diesen Menschen geschieht? In dem Moment versagen dem Bruder hinter der Kamera alle weiteren Argumente (beim Schnitt erst kann er die Antwort geben: ein Bild, das den Vater mit Hitler, und eines, das ihn neben Heinrich Himmler zeigt). Dass dieser "Familientherapie kein Erfolg beschieden sein wird, dokumentiert im Übrigen schon die erste Szene des Films. "Wenn du geglaubt hast, dass du mit diesem Werk etwas verändern kannst", gibt eine der Schwestern dem filmenden Maltechen da zu verstehen, "dann ist das ein Fehlschluss gewesen."

  Auf die Frage nach seiner Herkunft pflegte Andy Warhol mit "I Am From Nowhere" zu antworten. Dieses nowhere ist Schauplatz von Georg Mischs gleichnamigem Porträt von Miková, jenem Dorf in der Slowakei, aus dem Warhols Mutter anno 1921 in die Vereinigten Staaten emigrierte und dessen 150 Einwohner heute fast vollzählig mit dem berühmten Spross verwandt sein wollen. Vorpremiere, zusammen mit "Key West" von Thomas Aigelsreiter, als österreichischer Beitrag zur DocuZone (im Top, 18.5., 21 Uhr).


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