SPIELPLAN

Kultur | C. FASTNER / W.KRALICEK | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

So viele Buhs wie für Uwe Eric Laufenbergs Neuinszenierung der "Verkauften Braut" von Bedrich Smetana gab's in der Volksoper schon länger nicht mehr. Kein schlechtes Zeichen, denn der Protest richtete sich gegen die Versuche, das zwischen Bauernoper und Volksoperette angesiedelte Stück (1866) nicht ganz so traditionell auf die Bühne zu bringen, wie es seine Folkloreseligkeit nahe legen könnte. So richtig ist der Plan, die Handlung in eine Turnhalle zu verlegen (Bühne: Christoph Schubiger) und damit die vielen Volkstänze als Probe einer Trachtengruppe zeigen zu können, aber nicht aufgegangen. Auch das Hausorchester unter Marc Piollet rumpelt beim Versuch, mit dem fulminanten Böhmakeln der Musik klarzukommen. Dafür punktet die Inszenierung mit den komödiantischen Leistungen der sanglich zumindest tadellosen Solisten Kristiane Kaiser, Michael König, Dietmar Kerschbaum und Bjarni Kristinsson. Davon wird im Repertoirebetrieb wohl nur wenig übrig bleiben. Also lieber bald anschauen.

Wenn Schauspieler Regie führen, ist das oft problematisch. Wenn Autoren ihre eigenen Stücke inszenieren, noch öfter. Was passiert, wenn ein Schauspieler ein von ihm selbst geschriebenes Stück inszeniert, ist derzeit im dietheater Künstlerhaus zu sehen. Thomas Kampers Inszenierung "Jokebox" (bis 14.5.) beginnt mit einem fünfzehn (!) Minuten langen stummen Bild, in dem zu dröhnendem Elektro-Sound TV-Bilder auf die Bühne projiziert werden. Nach diesem selbstmörderischen Intro hätten es auch stärkere Stücke schwer; dieses kommt in den folgenden achtzig Minuten jedenfalls nicht mehr in die Gänge. Das absurde Drama, in dem sieben Menschen in einem Lokal sitzen und sich mysteriös benehmen, ist ein prätentiöses Kunst-Stück ohne Fleisch; gute Schauspielerinnen wie Phillippa Galli, Barbara Horvath oder Elisabeth Prohaska hat man nie so verkrampft gesehen. Zumindest den Vorwurf, eine typische Schauspielerinszenierung abgeliefert zu haben, kann man Thomas Kamper also nicht machen.


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