Tropfen gegen den Tod

Kultur | STEFAN ENDER | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

LITERATUR Yasmina Reza lässt "Adam Haberberg" in ihrem gleichnamigen Roman stellvertretend für die Generation Mitte vierzig jammern. 

Machen wir uns nichts vor: Das Leben ist scheiße. Knallharte, gnadenlose Defäkationsrestriktion gleich zu Beginn, darauf folgend ein kurzes hormonelles Überquellen, das im ausgetrockneten Flussbett einer staatlich beglaubigten Lebensgemeinschaft versickert, dann Steuererklärungen, Haarverlust und Hämorrhoiden. Und als wäre das endlose Mühen und Plagen durch ihn, mit ihm und in ihm noch nicht genug, endet der große Zumutungsmarathon auch noch ausnahmslos tödlich. Es ist ein Jammer.

  Auch Adam Haberberg jammert. Haberberg, 47, "kahl, aufgeschwemmt", sitzt im Pariser Jardin des Plantes (genau: Rilkes Panther - "und hinter tausend Stäben keine Welt") und sieht hinter tausend Niederlagen und Demütigungen keinen Sinn mehr. Nicht nur, dass sein letzter Roman von der Kritik schlimmstenfalls ignoriert und bestenfalls verrissen wurde, nicht nur, dass


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