KUNST KURZ

NICOLE SCHEYERER | Kultur | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

Schmerzraum" nannte Joseph Beuys die Bleikammer, die er 1983 schuf. Beuys' Landsmann Anselm Kiefer kreierte Bibliotheken und Flugzeuge aus Blei. Die industrielle Verwendung des Materials als Energiespeicher oder als Gefäßmantel für Säuren und Munition schwingt in dieser bedeutungsschweren deutschen Kunst ebenso mit wie die mythologische Zuordnung des Metalls zur Melancholie. Eva Schlegel benützt den giftigen Stoff nun in der Secession (bis 26.6.) für silbrig changierende Tapeten. Die Seitenwände des Hauptsaals wurden vollständig mit Bleiblech ausgelegt. Als Kontrast zu dieser grauen Wandverkleidung, die durch die Oxidation stetig dunkler wird, glänzen am Boden spiegelnde Kreise. Der Betrachter kann sich darin sehen, und auch das von oben kommende Licht wird reflektiert. Schlegel verleiht ihrer hermetischen Iso-Kammer auf diese Weise Discoflair und untergräbt zugleich die modernistische Raumgeometrie der Ausstellungshalle. Es scheint, als würde Schlegels Kunst eine neue Wendung

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