NÜCHTERN BETRACHTET

Wohnen in Klein Bobostan

Kultur | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

Es ist der schiere Luxus, es ist leicht bis mittelschwer bescheuert, und es macht Spaß (und dazu ist Luxus schließlich da). Ich spreche von meinem Doppelleben. Es ist freilich ein biederes, um nicht zu sagen spießiges Doppelleben: keine Zweitfrauen, keine Zweitkinder oder -berufe, bloß zwei Wohnungen. In der einen lebe ich, in der anderen wird gewohnt. Von Menschen, die diese ungewöhnliche, aber nicht besonders komplizierte und darüber hinaus auch leicht begründbare Situation in ihren Details nicht kennen, werde ich ständig gefragt, ob wir denn schon im Zweiten oder noch im Zwölften wohnen. "Sowohl als auch", antworte ich, weil ich im Falle einer Erklärung wie der oben ausgeführten Gefahr liefe, als "abgeschmackter Bonmot-Bobo beschimpft" und en passant mit einem Packel Haustätschn versorgt zu werden - was ich auch verstehen würde. Nachdem ich mir in zwölf Bezirken Wohnungen angesehen habe, bin ich schließlich doch in Klein Bobostan geendet. Es ist ein total nettes Grätzel,


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