VOM GRILL

Mehr Dreck!

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 19/05 vom 11.05.2005

Vor lauter Gedenk- und Bedenk- und Beschränktagen kann man schon durcheinander kommen. Als diese Zeilen getippt werden, hustet mir das Radio, heute sei Welt-Asthma-Tag. Andererseits belehrt der Kalender, es sei gerade Tag der Pressefreiheit. Was jetzt? Asthma oder Freiheit? Am besten wäre Freiheit von Asthma, nicht übel auch Freiheit der Presse sowie die Freiheit von jeder asthmatischen Presse. Also lässt man alles gelten, beansprucht die Pressefreiheit und zitiert den Grazer Kinder- und Lungendoktor Maximilian Zach. Der beklagt die Zunahme von Asthma und meint, wir seien einfach zu sauber und würden deshalb krank. Man kann, wie alles, auch die Hygiene übertreiben. Der Herr Professor plädiert für ein bisschen mehr Toleranz gegenüber Dreck. Die Boulevardjournalisten werden ihn heute bejubeln. Bauernkinder, sagt er, die auf Misthaufen und im Stall herumkullern, würden signifikant seltener Asthmatiker als die Stadtbrut. Da wird er Recht haben. Meine vielleicht zu hygienisch erzogene Tochter hat sich einst über einen Bauernbuben beschwert: "Der David hat im Hof einen Wurm gegessen. Und stell dir vor, er hat ihn nicht einmal gewaschen!" Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, nächstens im Hof einen Regenwurm essen - pfeifen Sie bitte auf das Waschen und bleiben Sie gesund! Oder lesen Sie einfach frank und frei mehr dreckige Zeitungen.


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