VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 20/05 vom 18.05.2005

Die Gedenknummer 1985 enthielt vieles, aus dem man seitenlang zitieren möchte. Wir werden in den kommenden Wochen ein wenig bei ihr verweilen. Sehr hübsch fand ich ein eher nebenbei eingestreutes Interview mit Luis Trenker aus der Kronen Zeitung vom 15. 5. 1977, welches wiederum in einer Zeitung namens Rohrstock abgedruckt war. Der bekannte Südtiroler Bergsteiger erzählte dort, wie er mit Herbert von Karajan in den Vierzigerjahren Schifahren war, wobei sich dieser beschwerte, Furtwängler lasse ihn nicht genug dirigieren, und wie er den 1945 auf der Flucht befindlichen Karajan in Kitzbühel traf. "Gjammert hat er: ,Herr Trenker, i bi so in Sorge, wann d'Russen komma.' I hab eahm eh gsagt, ,aba Ihna tuat do ka Mensch was.' ,Wann i wenigst an Steireranzug hätt', hat er gjammert, ,so an mit Hirschhornknöpf, dann sechat ma gleich, dass i Österreicher bin." Trenker schenkte ihm seinen.

  Der Bergfex kam später auf Einladung eines Verwandten nach Wien und auf die Hinterbühne der Staatsoper, wo er Karajan wiedertraf, was wenig erfreulich verlief. Man gab "Othello". "Auf omal stürzt da de Desdemona, a italienische Sängerin, auf mi zua und ruaft: ,Signor Trenker!' Di hat mi kennt. Mitten in der Begrüßung siech i halblinks seine Majestät stehen, den Karajan. ,Jessas, der Herr von Karajan', sog i, ,wie gehts denn nacha alleweil?' Der macht a eisige Miene und sagt knapp: ,Wie kommen denn Sie hier herauf?' - ,Nau', sag i, ,singen tua i heut net. Mei Vetter zeigt ma den Schnürboden.' - Da sagt der glatt: ,Was alles passieren kann. Hier kann doch nicht jeder frei auf der Bühne herumlaufen.' ,Jetzt machen S' an Punkt', hab i gsagt und hab mi umdraht. Da hab i mi wirkli geärgert. ,Du Tepp du', hab i mir denkt, ,di möcht i genauso nie wiedasehgn wie den Steireranzug, den i dir geschenkt hab, wias dir vor Angst in d' Hosn gmacht hast!'" A. T.


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