Schwarzes Solo

Medien | GERALD JOHN | aus FALTER 20/05 vom 18.05.2005

ORF Opposition raus, Kanzler rein: Bringt die ÖVP den ORF endgültig auf Regierungslinie? 

Das Volk kam dem Kanzler nicht aus. Durchgeschaltet auf beiden ORF-Kanälen, ergriff Wolfgang Schüssel zur besten Sendezeit, zwischen Nachrichten und Sport, das Wort. Vier Minuten lang durfte er sich am Samstag als souveräner Staatsmann präsentieren, der das "Gemeinsame" über das "Trennende" stelle. Kein Reporter hakte nach, kein Oppositionsführer plapperte dazwischen. Eine Bühne, von der Regierungschefs träumen.

  Der Auftritt war historisch. Noch nie in der Zweiten Republik gönnte der auf dem Papier unabhängige ORF einem Kanzler ein derartiges Solo auf den Bildschirmen. Reden an die Nation waren bisher dem Bundespräsidenten vorbehalten. Aber Schüssel hatte sich das Freispiel nun einmal gewünscht - und der ORF, seit jeher unter dem Einfluss der Politik, schlug die Bitte nicht ab. Wie schon zuvor die Präsidentschaftskanzlei habe das Kanzleramt wegen einer TV-Ansprache anlässlich der


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