Fragen Sie Frau Andrea

Heh und Heinrich

Stadtleben | aus FALTER 20/05 vom 18.05.2005

Liebe Frau Andrea,

eine Grazerin wurde abgestraft, weil sie einen Polizisten "Kieberer" nannte. Das war in Graz. Verstehen die kein Wienerisch? Ist "Kieberer" überhaupt wienerisch? Und wieso sagen wir auch "Mistelbacher" zu unseren Ordnungshütern, oder "Spinatwachter"? Und warum heißt der "Grüne Heinrich" eigentlich so?

Herzlichst, Karin F. Knolle, Eichgraben

Liebe Karin,

Kieberer ist ein Wort der Wiener Gaunersprache und kommt vom Ausdruck "kibitschen", besichtigen, bespitzeln. Eine Nebenbedeutung kommt von dem alten Verb kieben, keiben, das wir heute "keifen" aussprechen. Immer gut für Beleidigungen sind die Ausdrücke "Gschmierter" (vom jiddischen Schemirah, Bewachung) und "Putz" (von Romani Pust, Spieß, wie ihn die mittelalterlichen Ordnungshüter trugen). Mistelbacher kamen früher tatsächlich aus Mistelbach. Dort gab es eine für die Karriereplanung der Landbevölkerung immens attraktive Wiener Polizeischule. Der Grüne Heinrich, möglicherweise dem gleichnamigen Roman Gottfried Kellers entnommen, bezeichnet den (einstmals) grün angestrichenen Polizeitransporter. In Deutschland hieß er Grüne Minna oder Grüner August. Der Ausdruck "Heh" ist ein altes Wort für Polizei und mit dem "Häfen", dem Gefängnis, verwandt. Schönes Vokabular für Streifenpolizisten liegt auch in den Bezeichnungen "Trottoirbeleidiger", "Gassngjaga", "Randsteinschwalbe" und "Pflasterhirsch" vor.

dusl@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige