Bücher-Schatztruhe

Wolfgang Paterno | Stadtleben | aus FALTER 20/05 vom 18.05.2005

LESEN Das fabelhafte Antiquariat erlesenes sorgt für eine Belebung der Randlage.

Die Sonne geht neuerdings in Döbling auf, Weinberggasse 17, gegen neun Uhr morgens. Genauer: in einem Raum, in dem keine Wände zu sehen sind, nur Regale und Kästen mit Büchern; dazu ein hölzernes Hutschpferd und eine äußerst launische Kaffeemaschine. Wenn Joy Antoni wochentags ihr Antiquariat erlesenes betritt, empfängt sie das gesamte Sonnenspektrum: die ersten tausend Bände der edition suhrkamp, durchnummeriert und in tadellosem Zustand. Band eins, erschienen am 2. Mai 1963. Band tausend, "Stichworte zur geistigen Situation der Zeit", von 1979. Die legendären Umschläge in den Regenbogenfarben, gestaltet von Willy Fleckhaus.

Vor ziemlich genau einem Jahr hat Antoni, 31, ihr Antiquariat in Döbling aufgesperrt - und damit auch für eine kulturelle Belebung des Wiener Randbezirks gesorgt. Es gibt im Grätzel jetzt nicht nur einen Markt, auf dem Obst und Gemüse verkauft wird wie Luxusgut ("Liebe gnädige

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