TIER DER WOCHE

Mailüfterl

Stadtleben | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 20/05 vom 18.05.2005

Jeder weiß, was so ein Mai- / Käfer für ein Vogel sei. / In den Bäumen hin und her, / fliegt und kriecht und krabbelt er." So dichtete Wilhelm Busch 1865, als die Welt noch pestizidfrei durchatmen konnte. Hundert Jahre später und nach Einführung der chemischen Keule in der Landwirtschaft schrieb Reinhard Mey "auf ein Birkenblatt die Noten für ein Käferrequiem" und sang: "Es gibt keine Maikäfer mehr." Bis dahin bekämpfte man die im 4-Jahresrhythmus auftretenden Massen hauptsächlich durch Aufsammlungen. Im Mittelalter wurden Maikäfer sogar vor Gericht gestellt und verurteilt, und Bischöfe exkommunizierten ex cathedra die verhassten Blatt- und Wurzelfresser. Die für Insekten relativ großen und sehr proteinreichen Käfer fanden auch als Zufutter für Nutztiere Verwendung. 1951 konnten in Wien circa eine Milliarde dieser Kerbtiere aufgesammelt werden, aus denen die Städtische Tierkörperverwertungsanstalt eiweißhaltiges Mehl zur Verfütterung an Hühner und Schweine herstellte.


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