IM FALTER

VOR 20 JAHREN

Vorwort | aus FALTER 21/05 vom 25.05.2005

Beachtlich, was in so einer alten Falter-Ausgabe alles drinsteht. Zum Beispiel ein Plädoyer für das "garantierte Grundeinkommen", gehalten vom Ökonomen Georg Vobruba. Ein großer Essay von Robert Menasse über "die Produktion des Neuen Österreich". Menasse in nuce: "Die personelle Kontinuität vom Austrofaschismus in die Zweite Republik verbürgte, dass all das, was der Nazi-Faschismus viel konsequenter durchgesetzt hatte, wieder patriotisch umformuliert, aber nicht zurückgenommen wurde. Es blieb sozusagen als historische Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft erhalten, wobei sich an den Schaltstellen des Geisteslebens eine pragmatische Allianz der Austrofaschisten mit jenen Emigranten bildete, die aus den USA als CIA-Verbindungsleute heimgekehrt waren."

  Weiters hätten wir ein Franz-Schuh-Interview mit Oswald Oberhuber mit dem wunderbaren Titel "Kunst und Rektor". Schuh fragt: "In deinem Buch ,Lust auf Worte' gibt es den wunderbaren Satz: ,Ernst kopiert Pichler und Hollein kopieren viele und Oberhuber kopiert alle.' Was heißt das eigentlich?" Oberhuber: "Damit ist wieder der Begriff der Mode gemeint. Ich bin gar nicht abgeneigt, Dinge sofort zu übernehmen, wenn es notwendig ist. Ich übernehme etwas, um Schritt zu halten. Dann habe ich den richtigen Schritt erfasst, dann kann ich auch wieder etwas erfinden, weil ich jetzt wieder im Gleichschritt bin."

  Ich erwähne es nicht des Gleichschritts wegen, aber ein Interview mit dem Komponisten Steve Reich gab es auch. Die Fragen stellten Christoph Winder und Thomas Mießgang, und der Titel war nicht schlecht: "Free Jazz ist Bullshit." Zu toppen war das auch durch ein Interview mit dem DDR-Schriftsteller Christoph Hein nicht mehr, das Andrea Hurton und Helmut Schneider führten. Höchstens durch einen doppelseitigen Essay von Harry Tomicek über den Film "Dead Birds" des Harvard-Ethnologen Robert G. Gardner. A. T.


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