Gescheiterte Generation

Politik | aus FALTER 21/05 vom 25.05.2005

DEUTSCHLAND Verzagt, unentschieden, unvorbereitet und voller Selbstzweifel ging die rot-grüne Regierung 1998 ins Amt. Das rächte sich jetzt. Denn auch wenn Schröder noch einmal gewinnt: Rot-Grün ist am Ende. ROBERT MISIK

Der Abend des 27. September 1998, Bonn. Vor der SPD-Zentrale, seit den Fünfzigerjahren "Baracke" genannt, schwillt schnell eine Menschenmenge an. Die Leute klettern auf Laternenmasten, um einen Blick auf die Wahlsieger erhaschen zu können. Auftritt: Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine. Die Ära Kohl ist zu Ende. Aber es ist mehr als ein Regierungswechsel. Eine Generation hat es endlich geschafft. Pathos des Augenblicks! Sprechchöre: "Rot-Grün! Rot-Grün!"

  Später, im Keller der niedersächsischen Landesvertretung, wo die Siegesfeier stieg, lag über der Szene doch auch stille Schreckstarre, die Furcht, jetzt wirklich das tun zu müssen, was man so lange gewollt hatte: regieren. Ob sie wirklich den inneren Habitus der Republik repräsentierten, "die Mitte" in


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