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Politik | aus FALTER 21/05 vom 25.05.2005

Oktoberfest

Vor der Wahl: Die SPÖ hat weniger als 50 Prozent der Stimmen, dank eines mehrheitsfreundlichen Wahlrechtes regiert sie jedoch mit absoluter Mehrheit. Die FPÖ ist die zweitstärkste Fraktion im Rathaus und hat nichts mitzureden. Die Müllabfuhr kommt pünktlich. Nach der Wahl wird es in Wien so ausschauen: Die SPÖ hat mehr als 50 Prozent und regiert mit absoluter Mehrheit. ÖVP oder Grüne sind zweitstärkste Fraktion und haben nichts mitzureden. Die Müllabfuhr kommt pünktlich. Es steht also weder eine Richtungsentscheidung an (wie in Deutschland), noch haben die Roten die Farbe gewechselt (wie ein Teil der österreichischen Bundesregierung). Der einzige Grund, dass die Rathauswahl vom März 2006 auf den 26. Oktober 2005 vorverlegt wird: Bürgermeister Michael Häupl will es so. Damit seine - virtuellen - Gegner auf jeden Fall noch Wolfgang Schüssel und Jörg Haider heißen. Damit die EU-Präsidentschaft Österreichs seinen Glanz nicht überstrahlt. Die Opposition machte es Häupl nicht schwer, seinen Wunschtermin als Notwendigkeit - die Wiener verkraften keinen langen Wahlkampf! - zu verkaufen. ÖVP und Grüne überschlugen sich mit Anträgen zur Vorverlegung (um zu suggerieren, sie hätten das Heft in der Hand). Wobei die ÖVP das bessere Argument hatte: rasch wählen, damit Gaskammern-Relativierer John Gudenus früher aus dem Bundesrat fliegt. E. W.


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