Fragen sie Frau Andrea

Mein lieber Schwan!

STADTLEBEN | aus FALTER 21/05 vom 25.05.2005

Liebe Frau Andrea!

Seit einem Mühlviertler Familientreff schwebt bei mir die Frage im Raum, woher uns das Wort "schwanern" zugewachsen ist, das so charmant den Bogen zwischen Lügen, Aufschneiden und Schmähführen beschreibt. Das kommt doch sicher nicht vom majestätischen Federvieh! Und wenn doch, warum?

Mit freundlichen Grüßen aus der Brigittenau: Dominika M.

Liebe Dominika,

schön schwierig, bei den schwimmenden Schönheiten des Salzkammerguts, den schadenfrohen und scheinheiligen Schwänen, schonend hinter die schneeweißen Schwingen zu schauen, um dort das Schmähverb "schwanern" zu suchen. Schwurbeln, Schmähführen, Schwadronieren, Schäkern, Schalken, Schildern, Schmus erzählen oder Schmonzes: Hinter dem Zischlaut verstecken sich erstaunlich viele Synonyme für Ihre Mühlviertler Familienvokabel. Mit Ihrer Ahnung vom Schwan liegen sie gar nicht so falsch. Zwar lässt sich eine Verwandtschaft des oberösterreichischen "schwanern" mit dem hochdeutschen "schwindeln" nicht von der Hand weisen. Aber auch Gene aus dem "schwanen", dem staubigen Cousin des "ahnens", lassen sich im schwanernden Erbgut finden. Das Schwanen kommt tatsächlich von den großen Enten. Humoranfällige Humanisten sollen es im 16. Jahrhundert aus der neulateinischen Fügung "olet mihi" -es ahnt (eigentlich stinkt mir) - und dem lateinischen Wort "olor" für Schwan zusammengeschustert haben.

dusl@falter.at


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