VOM GRILL

STEIERMARK STADTLEBEN | aus FALTER 21/05 vom 25.05.2005

Ode an Öde

Im Schiller-Jahr ist es unvermeidlich, dass allenthalben die "Ode an die Freude" gegeigt und abgesungen wird. Noch unvermeidlicher: dass nach "alle Menschen werden Brüder" alle Korrekten reflexhaft auch an Schwestern erinnern und sich dabei gut vorkommen, sehr gut.

  So wenig ich jedermanns Bruder sein möchte, noch seltsamer ist mir die Vision, jedermanns Schwester zu sein. Aber bitte ... Damit sich die Brüder und Schwestern, die ständig den Schiller ausbessern müssen, nicht in die Hose machen, seien sie ans Arbeitsamt Graz verwiesen. Dort steht auf einer Tür "Besucherinnen-Herren-WC". Schiller (+ 1805) hätte da was lernen können ...

Dass es auch mit der Korrektheit knifflig werden kann, wissen die Redakteure der BBC. Bei ihnen werden die Nachrichten gebärdensprachlich begleitet. Und die Gehörlosen zeigen Chinesen als Schlitzaugen, Juden als Hakennasige und Schwule mit so tuntig-schlaffem Handgelenkgetue. Das stieß den Gezeigten übel auf. Chinesen, Juden und Schwule protestierten gegen solche Diskriminierung und verlangen ein anderes Vokabular. Davon aber wollen die Gehörlosen nichts hören. Selber Diskriminierung, blanke Zensur! An ihrer eleganten Sprache habe niemand herumzufummeln!

  Was tun? Die BBC löst das Problem nicht, sie umschifft es. Schwule Rabbis aus dem Reich der Mitte kommen jetzt einfach nicht mehr vor.


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