Wider die Kulturseppln

Vorwort | aus FALTER 22/05 vom 01.06.2005

KLAUS NÜCHTERN

Kommentar Wer stets die Kultur im Munde führt und diese gegen die böse Politik ausspielt, verdient allergrößte Skepsis. 

So viel Kultur war noch nie. Weil grad Festwochen sind, kann man täglich ins Theater, zum Tanz oder sonst wo hinrennen, und das ändert noch lange nichts dran, dass man "pausenlos nur mehr ins Kino gehen könnte", wie Kollege Omasta unlängst so richtig anmerkte. Weil darüber hinaus auch noch jubilierende Nachdenklichkeit ausgebrochen ist und sich das Aufsatzthema "Die ganze Wahrheit über die österreichische Identität" großer Beliebtheit erfreut, ist man auch nicht davor gefeit, André Heller im Fernsehen aufpoppen und, ehe man die Fernbedienung wieder in die Hand nehmen kann, Sätze wie "Ich bekenne mich zu einer Republik des Geistes" sagen zu hören.

Ja, der Geist ist recht beliebt, insbesondere bei denen, die sich gerne in dem Gefühl suhlen, von Geistlosigkeit umtost zu sein. Und die Kulturlosigkeit ist sowieso die oberste, die allergemeinste


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