Eine letzte gute Tat

  Einmal schrieb das Blatt trotz allem politische Geschichte. 1995 hatten sich zwei Linksextremisten und TATblatt-Sympathisanten beim Versuch, einen Strommasten im niederösterreichischen Ebergassing zu sprengen, selbst getötet. Prompt wurde auch bekannt, dass der damals amtierende SP-Innenminister Caspar Einem vor seiner politischen Laufbahn dem TATblatt 436 Euro (6000 Schilling) für eine Druckmaschine und einen Prozess gegen die FPÖ gespendet hatte. Das Bekanntwerden der Spende war ein Fressen für FPÖ und Kronen Zeitung. Erstere stand wegen des anhaltenden Briefbombenterrors noch im Visier des Innenministeriums und konnte dem Minister nun Nähe zum Linksterrorismus unterstellen. Letztere hetzte gegen den ehemaligen Bewährungshelfer Einem wegen seiner liberalen Ausländerpolitik. Der Innenminister begründete die Spende damals mit seiner "Grundhaltung, für ein offenes Gespräch zu sein": Er wolle erreichen, dass sich auch politisch anders denkende Leute noch artikulieren können. "Von der Optik her" sei "das Ganze sicher außerordentlich schlecht" gewesen.

Medien | Martina Stemmer | aus FALTER 22/05 vom 01.06.2005

TATBLATT (1988-2005) Die linke Anarchopostille, die einst Caspar Einem verraten hat, wird nach 17 Jahren eingestellt. Ein Nachruf. 

Am Ende hat also doch noch das Böse gesiegt. Mit der Parole "Gegen das Böse auf der Welt" war man einst angetreten, jetzt gibt man sich geschlagen. 17 Jahre hat das TATblatt seinen guten Vorsatz auf der letzten Seite jeder Ausgabe platziert. Und jetzt plötzlich die allerletzte Nummer: "7500 Seiten sind genug. Was als Projekt der schnellen Gegeninformationen nach dem StudentInnenstreik 1987/88 begonnen hat, hat sich im Zeitalter der Informationsübertragung in Millisekunden überlebt", vermeldet die TATblatt-Homepage. In Zeiten von indymedia.org und anderen einschlägigen Newsgroups sind gedruckte Infoblätter überflüssig geworden.

Das Anarchoblättchen hatte aber nicht immer nur das Gute im Sinn. Bis zuletzt wurde die Bastelecke gepflegt: Noch im September des vergangenen Jahres erfuhren die Leser "alles Wissenswerte" über den Bau von Brandsätzen. Bewusst


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