STREIFENWEISE

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 22/05 vom 01.06.2005

Es gibt ein Motiv, das in diesem Film immer wiederkehrt. Hände, die sich an einem Tonbandgerät zu schaffen machen und das hauchdünne Band richtig um die verschiedenen Knöpfe und Tonköpfe herumwickeln. Wie umständlich müssen da erst die Aufnahmen gewesen sein, damals, 1950, als Alan Lomax sieben Monate lang durch Europa tourte, um Leute bei der Arbeit, auf der Straße oder auch im Wirtshaus beim Singen aufzunehmen. Mit einem klapprigen VW-Bus fährt Rogier Kappers, niederländischer Dokumentarfilmer, in "Lomax, the Songhunter" die Reiseroute des Folkmusicsammlers aus Texas noch einmal ab und macht sich auf die Suche nach den mittlerweile steinalten, wenn nicht gar schon verstorbenen Musikanten von damals. Stück um Stück formt sich so das Porträt eines charismatischen Einzelgängers und seiner Obsession, vorindustrielle Formen von Musik in aller Welt zu sammeln: Lieder afroamerikanischer Kettensträflinge, schottischer Minenarbeiter, sizilianischer Fischer, baskischer Schafhirten


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