Sex in Zeiten der Diktatur

Kultur | Edgar Schütz | aus FALTER 22/05 vom 01.06.2005

LITERATUR In seinem jüngsten Roman arbeitet Jorge Semprún noch einmal Bürgerkrieg und Franco-Ära auf - und bleibt erstaunlich milde. 

Spanien 1956: Die Wunden des Bürgerkriegs heilen langsam ab. Mancherorts werden sie aber immer wieder aufgerissen. Auf dem Landgut der betuchten Avendaños in Quismondo in der Provinz Toledo zum Beispiel. Da lässt José Manuel, ein Profiteur des Franco-Regimes, dem die Treue zum Generalisimo dazu dient, seine Gier nach Macht, Reichtum und erotischen Abenteuern zu befriedigen, Jahr für Jahr ein rituelles Passionsspiel aufführen.

Im Juli 1936 hatten Tagelöhner und Landarbeiter in den Stunden der Unruhe nach dem Militärputsch José Manuels jüngeren Bruder José María umgebracht. Seither werden auf Geheiß der Familie die Szenen der Gräueltat von den Arbeitern nachgestellt. Ein Ritual, das diesen und ihren Nachkommen ihre Schuld verinnerlichen soll.

1956 ist aber bereits eine neue Generation herangewachsen. Sie will den Toten die ewige Ruhe geben,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige